Was sind tiergestützte Interventionen in Alters- und Pflegeheimen?
Tiergestützte Interventionen sind gezielte Begegnungen zwischen Menschen und Tieren, die das Wohlbefinden fördern. In Altersheimen können solche Besuche Erinnerungen wecken, emotionale Nähe ermöglichen und Momente von Freude und Lebendigkeit schaffen.
Besonders bei älteren Menschen oder Menschen mit Demenz wirken Tiere oft unmittelbar. Sie sprechen Gefühle an, ohne dass viele Worte nötig sind.
Warum wirken Tiere in Alters- und Pflegeheimen so positiv?
Tiere begegnen Menschen ohne Erwartungen oder Bewertung. Diese einfache, direkte Form der Begegnung kann Sicherheit und Vertrauen schaffen.
Viele ältere Menschen haben zudem früher selbst Tiere gehalten. Wenn sie ein Tier berühren oder beobachten, können Erinnerungen an Kindheit, Bauernhöfe oder frühere Lebensphasen wach werden. Das schafft Verbindung – zu sich selbst und zu anderen.
Welche Tiere eignen sich für Besuche im Alter- und Pflegeheimen?
Häufig werden Hunde eingesetzt. Aber auch andere Tiere können sehr gut geeignet sein – zum Beispiel Ziegen.
Ziegen sind neugierig, sanft und sehr kontaktfreudig. Sie reagieren fein auf Körpersprache und suchen oft aktiv den Kontakt zu Menschen. Dadurch entstehen natürliche Begegnungen, die leicht und spielerisch wirken.
Was passiert bei einem Ziegenbesuch im Altersheim?
Bei einem Besuch kommen ein oder zwei Ziegen gemeinsam mit ihrer Begleitperson in die Einrichtung. Die Bewohnerinnen und Bewohner können die Tiere beobachten, streicheln, füttern oder ihnen einfach nahe sein.
Oft entstehen dabei kleine Gespräche, Erinnerungen oder auch stille Momente. Manche Menschen beginnen zu erzählen, andere geniessen einfach die Nähe des Tieres.
Können auch Menschen mit Demenz von Tierbesuchen profitieren?
Ja. Gerade bei Menschen mit Demenz können Tiere einen besonderen Zugang schaffen.
Tiere wirken über Körpersprache, Berührung und Präsenz. Diese Ebenen bleiben oft lange erhalten, selbst wenn Sprache oder Orientierung schwieriger werden. Ziegen sind darin besonders gut.
Sind Ziegen im Altersheim sicher?
Gut vorbereitete Ziegenbesuche sind ruhig und kontrolliert. Die Tiere sind an Menschen gewöhnt und werden von ihrer Begleitperson eng begleitet.
Wichtig sind klare Regeln, eine ruhige Umgebung und genügend Raum für die Tiere und die Bewohnerinnen und Bewohner.
Wie wirkt tiergestützte Therapie auf ältere Menschen?
Leider gibt es dazu noch wenig Forschungsarbeit. Die Berner Fachhochschule forscht gerade daran.
Aus meiner persönlichen Erfahrung finden Tiere und gerade Ziegen einen ganz besonderen Zugang zu Menschen. Dabei entsteht eine tiefe Verbindung, die sehr berührt. Menschen, die sonst wenig Gefühle zeigen, beginnen zu lächeln und blühen sichtlich auf.
Was kostet ein Tierbesuch im Altersheim?
Das kann je nach Anbieter variieren. Ich verlange für einen Besuch der ungefähr 60 bis 90 Minuten dauert Fr. 250.00. Darin enthalten ist die Anfahrtszeit, die nicht mehr als 30 Minuten dauern sollte.
Wie läuft ein Besuch mit Therapieziegen ab?
Mir ist das Wohl meiner Ziegen sehr wichtig. Deshalb plane ich immer genug Zeit ein, damit sich die Ziegen in der neuen Umgebung orientieren können. Ziegen reagieren stark auf Hektik. Ruhige Begegnungen stehen also im Vordergrund.
Dann dürfen die Ziegen die Führung übernehmen. Sie dürfen in ihrem Tempo Kontakt zu den Bewohnenden aufnehmen. Das unterstütze ich oft mit Futter. Natürlich ist es schön, wenn der Besuch im Freien stattfindet. Meine Ziegen sind sich aber auch an Innenräume gewohnt. Leider sind sie nicht stubenrein…
Welche Vorteile haben Ziegen gegenüber Hunden?
Ziegen üben auf Menschen einen besonderen Zauber aus. Vielleicht genau deshalb, weil sie nicht gehorsam sind und Grenzen austesten. Das spiegelt das Wesen vieler Menschen wieder.
Und Ziegen sind einfach lustige Tiere. Sie machen bei einem Besuch schon einmal etwas, was sie nicht sollten. Sie fressen Blumensträusse, springen in die Höhe und schauen keck. Das gefällt älteren Menschen und bringt Humor in den Alltag.
Wie lange dauert eine tiergestützte Intervention mit Ziegen?
Ziegen haben Ausdauer. Menschen sind meist nach einer Dreiviertelstunde müde. Ich plane immer 90 Minuten ein, damit genug Zeit ist. Auf Wunsch können nach dem „öffentlichen“ Teil auch noch Einzelbegegnungen geplant werden.
Für welche Bewohnenden eignet sich ein Tierbesuch besonders?
Gerade für Menschen, die an einer Demenz erkrankt ist, eignen sich Ziegenbesuche besonders. Oft greifen normale Aktivierungsmassnahmen nicht mehr so gut. Ziegen finden über den emotionalen Kanal einen Zugang. Dann entstehen kleine Wunder.
Sind Ziegenbesuche nicht gefährlich?
Da meine Ziegen gehörnt sind, besteht natürlich ein Verletzungsrisiko. Das kann ich nicht ganz ausschliessen. Meine Ziegen sind jedoch zahm und den Umgang mit unterschiedlichsten Menschen gewohnt.
Ich habe zudem ein gutes Gespür für meine Ziege und greife ein, falls es zu hektisch wird.